Die russische Antonov 74 landet butterweich am Nordpol. Sie ist in diesen Tagen die einzige Maschine, die hier in der Forschunsstation Barneo, einige Kilometer vom geografischen Nordpol entfernt, landen kann. Waehrend des Fluges hatte ich in voller Montur im Gepaeckraum geschlafen. Zwischendurch habe ich immer wieder einen raren Blick auf das „noch ewige Eis“ gehabt, und mir meine Nase an dem engen Fenster platt gedrueckt, um das sich die Passagiere streiten mussten: aus der Luft ist die Arktis eine erstaunlich abwechslungsreiche Eiswueste, weiche und scharfe Formen wechseln sich ab, immer wieder reisst das Eis irgendwo auf und schliesst sich anderswo. Sie ist immer in Bewegung, manchmal bis zu einigen Kilometern am Tag.
Am Boden wirbeln Eiskristalle durch die trockene Luft, die -15 Grad Celsius fuehlen sich (noch) angenehm erfrischend an. Eine Crew von Russen empfaengt uns, sie ist hier fuer die gesamte Logistik und fuer das Wohlergehen der „Gemeindemitglieder“ verantwortlich. Aufgrund jahrzehntelanger Erfahrungen in der Arkis haben die Russen hier quasi ein Monopol aufgebaut.
Die Grossraumzelte sind allerdings auch typisch russisch extrem heiß – schwitzen am Nordpol, das hatte ich mir wirklich anders vorgestellt.
Kaum zu glauben, dass uns hier eine ca. 2 Meter dicke Eisdecke traegt, darunter 4200 m tiefer Ozean, ein nie da gewesenes Gefuehl, vorallem die Vorstellung, dass dieses Eis womoeglich schon in 40 Jahren verschwunden ist.
Barneo ist eine sehr skurrile kleine Gemeinde, eine Mischung aus Abenteurern und Wissenschaftlern.
Nach dem „Schweizer-Kaese-Prinzip“ - viele kleine Bohrungen nebeneinander - haben wir hier gestern mit Glaziologen (Eis-Forschern) ein 1 qm grosses Loch in die Eisdecke gebohrt und eine Messboje ausgesetzt. Anderswo untersuchen Taucher die Eisbeschaffenheit, das Alter und die Dicke unterhalb der Eisdecke, waehrend kleine U-Boote die Eisdecke von unten abscannen. Gemeinsam mit Christian Haas vom Alfred-Wegener-Institut werden wir in den naechsten Tagen eine mobile Wetterstation aussetzen, die der Forschung weiteren Aufschluss ueber die komplexen Bewegungen im Eis geben wird.
Die Arktis ist weltweit am staerksten von der Erderwaermung betroffen – sie findet hier 3 mal schneller statt. Warum das so ist, ist noch nicht wirklich verstanden worden und wird im Rahmen des internationalen Polarjahres naeher erforscht. Klar ist: neben der Temperaturerhoehung sind auch veraenderte Zirkulationen in Luft und Wasser fuer das Verschwinden des Eises verantwortlich. Ein weiterer Effekt ist: je mehr Eis schmilzt, desto mehr Waerme wird absorbiert, was den ganzen Prozess beschleunigt, ein sich selbst verstaerkender Effekt. Der juengste IPCC-Bericht duerfte nach Aussage von rennomierten Forschern wie Mojib Latif zu konservativ sein: wenn sich 2500 Wissenschaftler (noch dazu mit der Politik) auf einen gemeinsamen Nenner einigen muss, kann das nur ein Minimalkonsens sein. Nach Aussage von Miriam Geitz vom WWF spielt die Menschheit „Russisch Roulette“: noch besteht Hoffnung arktisches Eis zu retten, aber schon bald wird die Eisschmelze nicht mehr zu stoppen sein, egal was wir dann noch tun.
Um diese Jahreszeit ist hier immer eitel Sonnenschein, jeder hat seinen eigenen Rhythmus oder eben gar keinen. Man muss sich schon zwingen ins Bett zu gehen, denn man trifft hier andauernd auf faszinierende Menschen wie Barbara Hillary.
Barbara ist eine liebenswuerdige Dame. In wenigen Minuten wird sie aufbrechen um als erste Afroamerikanerin, und dazu 74 Jahre alte Dame, zu Fuss den Nordpol zu erreichen. Sie erzaehlt mir ihr herzergreifende Geschichte, wie sie in einfachen Verhaeltnissen aufgewachsen ist und sich bis zum Doktor durchgebissen hat. Wie sie mit grossser Muehe Sponsoren gefunden hat um jetzt Ihren Traum zu erfuellen. Sie kann nicht verstehen, warum Schueler und Studenten (in den USA) so wenig ueber die Klimawandel wissen – „dies gehoert in jeden Lehrplan“. Mit einem „its cool baby“ und einem Swing macht sie sich Mut und bricht zu ihrem einzigartigen Abenteuer auf.
erste Robbe und Reniere in freier Wildbahn gesehen, erstaunlich zutraulich
Eisbaeren sind nicht erlaubt hier zu schiessen, aber in Kanada gibt Abschussquoten
Fast ein Viertel aller Polarbaeren weltweit lebt auf Svalbard
die ganze Eisdecke des Nordpols ist in Bewegung, bis zu einigen Kilometer am Tag
jeder hat hier seinen ganz einigen oder gar keinen Rhythmus ;-) ; es gibt hier auch keine offizielle Zeit, jeder kann sie sich aussuchen, es wird also rund um die Uhr gearbeitet, staendig muede.Amerikaner anders als die Europaer, wegen der Sonne rund um die Uhr braucht man nicht soviel Schlaf:
Russen stellen hier gesamtes Equipment, haben Monopol auf Logistik, hier fehlt es an nichts: Musik, Essenzelt und die Zelte sind viel zu heiß.
Es gehen Geruechte um, Al Gore koennte diese Woche hier eintreffen
Barbara Hillary, eine liebenswuerdige Dame wird als erste Schwarze, und dazu 74 Jahre alte Dame zum Nordpol laufen. Sie wird morgen aufbrechen und hat uns Ihre herzergreifende Geschichte erzaehlt, wie sie in einfachen Verhaeltnissen aufgewachsen ist und sich bis zum Doktor durchgebissen hat. Wie sie mit grossser Muehe Sponsoren gefunden hat und jetzt Ihren Traum erfuellt. Aber was mich am meisten bewegt hat: eine umfassende Ausbildung zum Klimaschutz an Schulen und Universitaeten.
Amerikanischen Forschern geholfen ein Loch ins Eis zu bohren, um dort eine Messboje auszusetzen (Schweizer Kaese Prinzip)
Ein sehr seltsames Gefuehl ueber einem 4200 m tiefen Ozean auf einer Eisdicke von ca. 2 Metern zu stehen
Hier herrscht ein ziemlich reges Kommen und Gehen, da heute zum ersten mal seit langem wieder Fluege nach Barneo gehen, die Landebahn musste neu praepariert werden, da das Eis direkt neben unserer kleinen Gemeinde namens „Barneo“ gebrochen ist
Deutschlandfunk hat mich interviewt
Haben das Esszimmerzelt als unser kleines Kommunikationsbuero unter beschlag genommen.
All die Wissenschaf