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Blogname: solarlounge
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- Last name: von Bucher

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02-04-2008 at 18:07
gut ding hat weile

...aber das klima leider net:

die idee mit der vernichtung von co2 zertifikaten ist mal ne neue idee: www.carbonnix.de

 auf bald

jules 

Source: ClimateChangeCollege -> solarlounge Feedback(0)
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15-06-2007 at 08:05
Der Studi CO2 Selbstversuch


vom März 2007

Die erste gute Tat: Studentische Trägheit und langes Ausschlafen schonen das
Klima.

11:30, der Wecker klingelt, es ist der von Großpapa zum aufziehen.
0 g

Licht an.
In der Lampe steckt eine Energiesparbirne der Effizienzklasse A, gibt´s ab 5 € und
hält 8 Mal länger als konventionelle Birnen. Alle Energiesparlampen zusammen und
deren Beleuchtungszeiten summieren sich auf neun Stunden am Tag, macht dann:
53 g

Heizung aus: der Frühling ist da und die einfallende Sonnenenergie heizt
ausreichend.
0 g

Die elektrische Zahnbürste ausrangiert, die normale tut´s auch.
0 g

Einen Liter
Teewasser im Wasserkocher für die gesamte WG erhitzen.
47,7 g

Brötchen fünf Minuten lang auf dem Brötchenaufsatz des Toasters aufbacken,
kräftiger Espresso, ohne geht garnix!
88,2 g

Auf den Drahtesel schwingen und die 3 Kilometer zur Uni das Hirn mit frischer
(Stadt-)Luft durchpusten.
0 g

Meinen „Lieblingsarbeitsplatz“ in der Karlsruher Uni-Bibliothek (=Denkfabrik) 6
Stunden lang mit einer 58-Watt-Neonröhren von 80 cm Länge beleuchten. Neonröhren
sind sparsam.
148,4 g

Zwei Stunden mit dem Schläpptop arbeiten, während der einstündigen Mittagspause
ausschalten.
24,38 g

Mittagessen: vegetarisches Solidaritätsessen in der Mensa. naja.
180 g

Hungerast:
ein Kilo Äpfel aus der Region und eine gepa-Schokolade
398 g

Trimm-Dich-Pfad, und zwar 45 Minuten im nördlichen Schlossgarten.
0 g

Heiß
duschen mit einem wassersparenden Duschkopf (insgesamt 24 Liter Warmwasser).
1384,8 g

Haare an der Luft trocknen lassen.
0 g

Wäsche waschen bei 30 Grad in der neuen
effizienten Bosch maxx.
380 g

Wäsche auf die Leine hängen und dort trocknen lassen.
0 g

Pokerrunde und zünftiges
Gelage mit Adi und Alex: Bio-Bier und Gin Tonic hectoliterweise, konservative
Abschätzung nach oben
3000 g

Summe: ca. 6kg
Ok, morgen könnte ich nochmal die Hälfte einsparen, wenn ich auf´s
Saufen verzichte ;-)
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15-06-2007 at 08:04
Ich bin dann mal wieder da


Spitzbergen hat sich mit den skurrilsten aller Berge, malerischen Fjorden und Eislandschaften auf immer in mein Gedächtnis eingebrannt.

Wir nehmen Abschied von den unzähligen ausgestopften Eisbären, später in Oslo dann auch voneinander.

Im Zug von Amsterdam gen Heimat war ich mit meinen zwei riesigen Taschen, dem Rucksack und meinem Vollbart ein Objekt zum Sehen und Staunen, insbesondere für deutsche Zollbeamte: „Sagen Sie mal, ist das Ihr Gepäck?“
„Ja“
„Sagen Sie mal, wo kommen Sie eigentlich her?“
„Vom Nordpol“
„… also das haben wir auch noch nicht gehört, kommen Sie mal mit …“
Schließlich konnte ich sie doch von meiner Version der Dinge überzeugen.

Die Achterbahn der Gefühle, Eindrücke und Visionen musste ein Ende finden, ich tauchte für einige Tage bei meiner Familie unter. Das Bedürfnis nach Normalität, Banalität und Geborgenheit war groß. Die Kunde vom Familiennachwuchs war großartig

Inzwischen beginne ich da weiterzumachen, wo ich vor meiner Reise aufgehört habe: die Klimaschutzkampagne zum Bau von Solaranlagen auf deutschen Unis anzukurbeln.
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01-05-2007 at 17:50
Sommer auf Spitzbergen
Spitzbergen erscheint mir trotz Minusgrade gerade sommerlich warm. Dieses Stueck Zivilisation war auf der Durchreise zum Nordpol nicht mehr als ein kleiner gottverlassener Ort, jetzt bin ich mit einem viel zu warmen Bett und einem zu grossen Kissen konfrontiert, Luxusprobleme, die mir eine schlaflose Nacht bereiten.
Dafuer kann ich jetzt bloggen, quick and dirty, ohne Umwege ueber Voicebox.

Hinter mir liegt eine bewegende Woche „auf“ Barneo. Mit uns haben die Russen dieses temporäre Camp verlassen, es wurde nochmal hektisch. Allesamt mitreissende Mitreisende. Das Abheben von der Barneo-Landepiste ist so spektakulär wie das Landen, Schubumkeht macht es moeglich.
Aus der Luft sieht das Meereis kompakt und starr aus, aber ich bin eines Besseres belehrt worden. In der letzten Nacht ist das Eis direkt unter unserem Zelt aufgerissen.

Durch Winde von oben und Meeresströmungen von unten geschoben, treibt es gemächlich dahin.
Schub und Scherkräfte lassen die Platten übereinander gleiten, grosse Presseisrücken entstehen. Der Wind nagt an ihnen und laesst sie rundliche Formen annehmen.

Amerikanische Klimaforscher, die in unmittelbarer Naehe unserer Wetterstation in den letzten Stunden ihre Bojen aufbauten, sind nicht zu beneiden. Mit Ihnen habe ich bis zuletzt lange Diskussionen gefuehrt: Sie koennen den Klimawandel einerseits nicht leugnen, andererseits lassen sie sich im Vergleich zu europaeischen Kollegen zu keiner Aussage hinreissen lassen, die einen Zusammenhang zwischen anthropogenen Treibhausgasen und dem Klimawandel herstellen. Dieser koenne noch nicht bewiesen werden, ein letztes Quentchen an Unsicherheit bestehe. Dieser Spagat zwischen handfesten Indizien und persoenlicher Ueberzeugung einerseits und konsequent konservativer wissenschaftler Arbeit andererseits ist frustrierend.

Die Sonne stand die letzten Stunde nochmal prall am Himmel, leichtsinnig hab ich meine Nase zu wenig geschuetzt und sie mir angefroren.

MTV Europe ist auf Spitzbergen....Zeit mal wieder steil zu gehen...
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01-05-2007 at 16:33
sensationell!
http://www.youtube.com/watch?v=snPdEl0Duoo
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27-04-2007 at 11:49
89.06 N Monday - North Pole Blog
88.56 N; Eisdrift: 0,3 km/h; Windspeed 4,2 m/s; Temperatur -15,4

Als Solaraktivist ist es absolut faszinierend zu sehen, wie hier ueberall PV-Anlagen zum Einsatz kommen. Ein Instrument, was die ankommende Solarstrahlung misst, ist ringsherum mit Solarpanels eingekleidet und wird so mit Strom versorgt: da die Sonne hier rund um die Uhr scheint, kann das Geraet absolut autark arbeiten.

In den letzten 4 Tagen auf Barneo ist das Eis ueber einen halben Breitengrad nach Sueden gedriftet, das sind ueber 50 km. Die Eisdecke ist andauernd unter Zug- und Druckspannung, was auch erklaert warum es andauernd bricht.

Victor und sein Versorgungsteam versuchen alles, um die Landebahn heute noch in Betrieb zu nehmen. Christian Haas und die franzoesischen Forscher bereiten sich sicherheitshalber auf ihren Abflug vor, auch wenn dieser eher unwahrscheinlich ist.

Marc hat heute die Platform www.keepitcool.org life vom Nordpol lanciert. Es ist eine Informationsplatform fuer Jugendliche zum Klimawandel.

Wir werden heute die beiden Belgier Alain Hubert und Dixie Dansiercoer per Helikopter mit Nachschub versorgen. Sie sind vor 2 Monaten im russischen Cape Arctichesky aufgebrochen und werden nach der Arktis-Durchquerung den Groenlandschild der Laenge nach durchschreiten, es ist wohl die erste Arktisueberschreitung dieser Laenge. Zum Nachschub gehoert auch deutsches und belgisches Bier.

Die erste Nacht im nicht beheizten Tunnelzelt war genial, der Daunenschlafsack gibt bis -40 Grad ausreichend Waerme. Nur der kondensierte und gefrorene Atem, der am morgen von der Decke faellt, war weniger angenehm. Die Flinte liegt direkt neben mir und ist immer scharf geladen.

Das Wetter ist spuerbar schlechter geworden, es hat geschneit und der Himmel ist bedeckt.

Heute Abend erwarten wir hier 40 Leute, die mit dem Helicopter eingesammelt werden, die meisten kommen von Ihren Expeditionen zurueck, es wird heute „Nacht“ also eng, laut und feuchtfroehlich werden.

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26-04-2007 at 14:15
230407


Heute Vormittag haben wir franzoesische Taucher beobachtet, wie sie einen Unterwasser-Roboter durch das Eis gebracht haben um die Eisdicke von unten zu messen. Diese Daten werden verglichen mit dem EM Bird, einem elektromagnetischen Geraet, welches von Flugzeugen aus zum Einsatz kommt. Der EM Bird muss genau kalibriert (eingestellt) werden, damit er zuverlaessig Eisdicke und Beschaffenheit messen kann.
Christian Haas erzaehlt uns ueber seine Arbeit: er hat seit 1991 an verschiedenen Orten der Arktis die Eisdicke, das Alter, die Beschaffenheit und den Eisdrift gemessen. Die Dicke des Eises hat die letzten immer mehr abgenommen und liegt bei dem Eis auf dem wir uns befinden bei unter 2 Metern. Das meiste Eis in der Gegend um Barneo ist weniger als ein Jahr alt. Die Zusammensetzung aus Eis und Schnee ist sehr unterschiedlich. Das Eis ist staendig in Bewegung, mit einem Drift von bis zu 2 km pro Stunde. Fuer diese sehr dynamischen Prozesse sind veraenderte Wind und Wasserzirkulationen verantwortlich, die Erhoehung der Umgebungstemperatur und die geringere Reflexionsfaehgkeit des Eises ( Albedo-Effekt) Wie diese Veraenderungen des Eises mit dem Klimawandel zusammenhaengen ist nicht klar. Fakt ist, dass die Dynamik sehr schnell ist.
In den kommenden Tagen werden wir nach einem bestimmten Abstand Eisbohrungen vornehmen (Dicke, Alter....) und pruefen, ob diese mit den Daten des EM Bird uebereinstimmen.
Die Temperatur lag heute um 16h bei -17,4 Grad Celsius, die Windgeschwindigkeit bei 4,3 Metern pro Sekunde, der Luftdruck bei 1008 mbar.
Die Haende sind mir zwischendurch eingefrohren, man unterschaetzt bei freiem Himmel und Sonne die Kaelte. Die Batterien von Kamera und Satellitentelefon streiken andauernd und muessen unter der Achsel gewaermt werden.

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26-04-2007 at 14:11
220407


Die russische Antonov 74 landet butterweich am Nordpol. Sie ist in diesen Tagen die einzige Maschine, die hier in der Forschunsstation Barneo, einige Kilometer vom geografischen Nordpol entfernt, landen kann. Waehrend des Fluges hatte ich in voller Montur im Gepaeckraum geschlafen. Zwischendurch habe ich immer wieder einen raren Blick auf das „noch ewige Eis“ gehabt, und mir meine Nase an dem engen Fenster platt gedrueckt, um das sich die Passagiere streiten mussten: aus der Luft ist die Arktis eine erstaunlich abwechslungsreiche Eiswueste, weiche und scharfe Formen wechseln sich ab, immer wieder reisst das Eis irgendwo auf und schliesst sich anderswo. Sie ist immer in Bewegung, manchmal bis zu einigen Kilometern am Tag.
Am Boden wirbeln Eiskristalle durch die trockene Luft, die -15 Grad Celsius fuehlen sich (noch) angenehm erfrischend an. Eine Crew von Russen empfaengt uns, sie ist hier fuer die gesamte Logistik und fuer das Wohlergehen der „Gemeindemitglieder“ verantwortlich. Aufgrund jahrzehntelanger Erfahrungen in der Arkis haben die Russen hier quasi ein Monopol aufgebaut.
Die Grossraumzelte sind allerdings auch typisch russisch extrem heiß – schwitzen am Nordpol, das hatte ich mir wirklich anders vorgestellt.
Kaum zu glauben, dass uns hier eine ca. 2 Meter dicke Eisdecke traegt, darunter 4200 m tiefer Ozean, ein nie da gewesenes Gefuehl, vorallem die Vorstellung, dass dieses Eis womoeglich schon in 40 Jahren verschwunden ist.
Barneo ist eine sehr skurrile kleine Gemeinde, eine Mischung aus Abenteurern und Wissenschaftlern.
Nach dem „Schweizer-Kaese-Prinzip“ - viele kleine Bohrungen nebeneinander - haben wir hier gestern mit Glaziologen (Eis-Forschern) ein 1 qm grosses Loch in die Eisdecke gebohrt und eine Messboje ausgesetzt. Anderswo untersuchen Taucher die Eisbeschaffenheit, das Alter und die Dicke unterhalb der Eisdecke, waehrend kleine U-Boote die Eisdecke von unten abscannen. Gemeinsam mit Christian Haas vom Alfred-Wegener-Institut werden wir in den naechsten Tagen eine mobile Wetterstation aussetzen, die der Forschung weiteren Aufschluss ueber die komplexen Bewegungen im Eis geben wird.
Die Arktis ist weltweit am staerksten von der Erderwaermung betroffen – sie findet hier 3 mal schneller statt. Warum das so ist, ist noch nicht wirklich verstanden worden und wird im Rahmen des internationalen Polarjahres naeher erforscht. Klar ist: neben der Temperaturerhoehung sind auch veraenderte Zirkulationen in Luft und Wasser fuer das Verschwinden des Eises verantwortlich. Ein weiterer Effekt ist: je mehr Eis schmilzt, desto mehr Waerme wird absorbiert, was den ganzen Prozess beschleunigt, ein sich selbst verstaerkender Effekt. Der juengste IPCC-Bericht duerfte nach Aussage von rennomierten Forschern wie Mojib Latif zu konservativ sein: wenn sich 2500 Wissenschaftler (noch dazu mit der Politik) auf einen gemeinsamen Nenner einigen muss, kann das nur ein Minimalkonsens sein. Nach Aussage von Miriam Geitz vom WWF spielt die Menschheit „Russisch Roulette“: noch besteht Hoffnung arktisches Eis zu retten, aber schon bald wird die Eisschmelze nicht mehr zu stoppen sein, egal was wir dann noch tun.
Um diese Jahreszeit ist hier immer eitel Sonnenschein, jeder hat seinen eigenen Rhythmus oder eben gar keinen. Man muss sich schon zwingen ins Bett zu gehen, denn man trifft hier andauernd auf faszinierende Menschen wie Barbara Hillary.
Barbara ist eine liebenswuerdige Dame. In wenigen Minuten wird sie aufbrechen um als erste Afroamerikanerin, und dazu 74 Jahre alte Dame, zu Fuss den Nordpol zu erreichen. Sie erzaehlt mir ihr herzergreifende Geschichte, wie sie in einfachen Verhaeltnissen aufgewachsen ist und sich bis zum Doktor durchgebissen hat. Wie sie mit grossser Muehe Sponsoren gefunden hat um jetzt Ihren Traum zu erfuellen. Sie kann nicht verstehen, warum Schueler und Studenten (in den USA) so wenig ueber die Klimawandel wissen – „dies gehoert in jeden Lehrplan“. Mit einem „its cool baby“ und einem Swing macht sie sich Mut und bricht zu ihrem einzigartigen Abenteuer auf.


erste Robbe und Reniere in freier Wildbahn gesehen, erstaunlich zutraulich
Eisbaeren sind nicht erlaubt hier zu schiessen, aber in Kanada gibt Abschussquoten
Fast ein Viertel aller Polarbaeren weltweit lebt auf Svalbard





die ganze Eisdecke des Nordpols ist in Bewegung, bis zu einigen Kilometer am Tag
jeder hat hier seinen ganz einigen oder gar keinen Rhythmus ;-) ; es gibt hier auch keine offizielle Zeit, jeder kann sie sich aussuchen, es wird also rund um die Uhr gearbeitet, staendig muede.Amerikaner anders als die Europaer, wegen der Sonne rund um die Uhr braucht man nicht soviel Schlaf:

Russen stellen hier gesamtes Equipment, haben Monopol auf Logistik, hier fehlt es an nichts: Musik, Essenzelt und die Zelte sind viel zu heiß.


Es gehen Geruechte um, Al Gore koennte diese Woche hier eintreffen
Barbara Hillary, eine liebenswuerdige Dame wird als erste Schwarze, und dazu 74 Jahre alte Dame zum Nordpol laufen. Sie wird morgen aufbrechen und hat uns Ihre herzergreifende Geschichte erzaehlt, wie sie in einfachen Verhaeltnissen aufgewachsen ist und sich bis zum Doktor durchgebissen hat. Wie sie mit grossser Muehe Sponsoren gefunden hat und jetzt Ihren Traum erfuellt. Aber was mich am meisten bewegt hat: eine umfassende Ausbildung zum Klimaschutz an Schulen und Universitaeten.
Amerikanischen Forschern geholfen ein Loch ins Eis zu bohren, um dort eine Messboje auszusetzen (Schweizer Kaese Prinzip)
Ein sehr seltsames Gefuehl ueber einem 4200 m tiefen Ozean auf einer Eisdicke von ca. 2 Metern zu stehen
Hier herrscht ein ziemlich reges Kommen und Gehen, da heute zum ersten mal seit langem wieder Fluege nach Barneo gehen, die Landebahn musste neu praepariert werden, da das Eis direkt neben unserer kleinen Gemeinde namens „Barneo“ gebrochen ist
Deutschlandfunk hat mich interviewt
Haben das Esszimmerzelt als unser kleines Kommunikationsbuero unter beschlag genommen.
All die Wissenschaf

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26-04-2007 at 12:23
Planierraupe versenkt....
Temperatur: -15,4°C
Windgeschwindigkeit: 5m / Sekunde

Ein eisiges Hallo nach Deutschland! Eine Hiobsbotschaft gleich zu Beginn: Unsere Landebahn ist über Nacht gebrochen und abgedriftet. Erste Anstrengungen, eine Bahn in einigen Kilometern Entfernung zu bauen, wurden jäh unterbrochen, als die Planierraupe plötzlich im Eis gebrochen und in die Tiefen des Arktischen Ozeans versunken ist! Kürzlich ist erst bei einem anderen, acht Tonnen schweren Traktor, der an einem russischen Spital-Hubschrauber hing, in der Luft das Seil gerissen und naja – jetzt haben wir hier ein hübsches Loch im Eis. Wir sind also erst einmal von Außenwelt abgeschnitten und warten auf Nachschub. Bis auf ein paar japanische Journalisten, die jetzt wohl noch ein paar Tage bei uns festsitzen werden, nehmen es hier in Barneo eigentlich alle recht locker, insbesondere Viktor, der russische Camp-Leiter.

Unsere Feldarbeit hier oben läuft folgendermaßen ab: Alle zehn Schritte messen wir die Schneedicke mit einer Art Eis- oder Ski-Stock. Gleichzeitig lesen wir vom EM31, einem schweren elektromagnetischen Messinstrument, das wir mit einem Schlitten hinter uns herziehen, eine Zahl ab, die mit der Eisdicke korreliert. Alle zehn Messungen wiederum bohren wir zusätzlich ein Loch in die Eisdecke bis wir aufs Wasser stoßen. So überprüfen wir, ob das EM31 richtig misst. Das EM wird nächstes Jahr auch aus der Luft großflächig zum Einsatz kommen und muss deshalb bis dahin ausgiebig getestet werden – und momentan eben von uns. Unter anderem wird es im Rahmen der Zeppelin-Expedition, die Christian Haas zusammen mit Jean-Louis Etienne 2008 durchführen wird, genutzt werden.

Die Arktis kann als gesundheitliches Barometer der Erde angesehen werden. Nur: Wie es derzeit tatsächlich um die Gesundheit unseres Planeten steht, kann niemand verbindlich sagen. Ein amerikanisches Forschungsteam setzt ab morgen 30 Bojen aus, die in einer Tiefe von bis zu 150 Metern Daten wie Wassertemperatur kontinuierlich aufzeichnen. Das ist absolute Pionierarbeit, da es solche Daten bislang nicht gibt. Die arktische Oszillation sorgt dafür, dass dickes altes Eis aus dem Arktischen Ozean in den wärmeren Atlantik getrieben wird. Dies verändert gleichzeitig dramatisch die Zusammensetzung der arktischen Eisschicht. Heute bereits ist 70% des Eises in der Arktis drei Jahre oder jünger. Zum Vergleich: Noch in den 80er Jahren waren fast 80% des Eises 20 bis 30 Jahre alt. Die Wissenschaft weiß aktuell noch nicht genau, ob dieses Phänomen mit dem Klimawandel zusammenhängt – auch eine natürliche Schwankung kann nicht ausgeschlossen werden. Da keine Vergleichsdaten aus den vorangegangenen Jahrzehnten vorliegen, kann der Klimawandel als Einflussfaktor jedoch nicht ausgeschlossen werden. Erst wenn über mehrere Jahrzehnte kontinuierlich Daten erfasst werden, können entsprechende Schlussfolgerungen gezogen werden.

Im Rahmen des Internationalen Polarjahres und des europäischen DAMOCLES-Projektes sind hierfür nun endlich die entsprechenden Gelder vorhanden. Das Alfred-Wegener-Institut aus Bremerhaven versorgt die amerikanischen und französischen Forscher mit selbst entwickelter Messtechnik. Passende Technologien für solche Forschungen zu entwickeln, ist vielfach eine echte Herausforderung, da bestimmte Daten genau erfasst werden können müssen und es gleichzeitig gilt, Computerprogramme zu entwickeln, die diese Daten wissenschaftlich verarbeiten.

Auch die Öffentlichkeit und politische Entscheidungsträger müssen über den Klimawandel, die Auswirkungen auf die Arktis sowie auf die gesamte Erde informiert werden. Das DAMOCLES-Projekt wird hierzu Material speziell für Schüler und Studenten entwickeln, damit von klein auf an umfassend zu diesem wichtigen Thema informiert werden kann. Das Material zeigt außerdem, finde ich, wie eng die internationalen Forscherteams zusammenarbeiten
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25-04-2007 at 16:03
Kyo- und andere Sphären
Die Versorgungscrew hat uns heute einfache Matratzen und Bettgestelle zur Verfügung gestellt. Ich allerdings ziehe weiterhin vor, auf dem Boden zu schlafen – in einem Daunenschlafsack ist es im Zelt, auch wenn ihr es kaum glauben könnt, ohnehin schon tropisch heiß! Eine Antonov hat gestern ein paar Touristen, überwiegend Russen, die für den Trip 20.000 Euro bezahlt haben, hergebracht. Momentan betrinken sie sich einfach hemmungslos, schlafen tun sie bei uns im Großraumzelt. Mit der gleichen Maschine haben die deutschen und französischen Journalisten heute das Camp verlassen, eine CD-ROM mit aktuellem Bild- und Videomaterial von uns aus dem Climate Change College hat die Maschine ebenfalls mitgenommen.

Marc hat uns gestern Abend bei ein paar Bier von seinen Abenteuern und Expeditionen erzählt. Schon während seines Architekturstudiums ist er zu seinen ersten Nordpolexpeditionen aufgebrochen. Seitdem lebt er von seinem Job als Expeditionsleiter und Entwickler von Polarschlitten. Das Besondere an diesen Schlitten sind die Kufen – sie sind wie Skier aufgebaut. Marc initiiert zudem das Ben & Jerry’s Climate Change College, dass es mir ermöglicht, die Arbeit und Seeeisspezialisten, also Kyosphären-Wissenschaftlern, zu unterstützen und tiefere Einblicke in die kompletten Zusammenhänge zwischen Klimasysteme und Eis zu erhalten.

Fast schon routiniert messen wir Temperatur und Windgeschwindigkeit. Die Temperatur hat mittlerweile zugenommen und liegt „nur noch“ bei -15°C, wobei es sich kälter als sonst anfühlt. Der Wind weht sehr heftig, so dass die Finger bei der Arbeit unglaublich schnell einfrieren. Selbst der Kugelschreiber gibt bei diesen Temperaturen seinen Geist auf – also muss jetzt der gute alte Bleistift herhalten, dem machen diese Temperaturen nämlich nichts aus. Wirklich krass ist heute auch der Eisdrift von dem Eis, auf dem wir gerade stehen. Es bewegt sich derzeit mit ca. einem halben Kilometer pro Stunde in südwestliche Richtung vom Nordpol weg. Vor ein paar Tagen lag Barneo noch ganz in der Nähe vom geographischen Nordpol, gerade einmal 12 Kilometer entfernt. Schon heute sind wir weiter als 12 Kilometer entfernt – irgendwie kaum vorzustellen.

Gleich werden wir aufbrechen und alle 100 Meter Eisparameter erfassen. Diese werden dann mit Satellitendaten und elektromagnetischen Messungen verglichen. Sinn und Zweck dieser Arbeit ist es, die Messinstrumente hier zu kalibrieren. Christian Haas’ EM-Bird, das ist das elektronische Messinstrument, ist ausgefallen und er freut sich über jede freie Hand, die ihn bei seiner Arbeit unterstützt. Die Datenerfassung dient auch zur Vorbereitung auf die Luftschifftour im nächsten Jahr. Dabei wird erstmals großflächig das arktische Packeis vermessen und analysiert. Die letzten Teile unserer Wetterstation, die übrigens in Deutschland entwickelt wurde, sind momentan noch auf dem Weg hierher. Bis zu unserer Rückkehr nach Spitzbergen nächste Woche werden wir die Station aber installiert haben.

Habe ich schon erwähnt, dass Barneo ein kleines logistisches Meisterwerk ist? Unter diesen extremen Bedingungen die verschiedenen Forschungsprogramme mit Material zu versorgen und gleichzeitig die anspruchsvollen Tagestouristen glücklich zu machen, ist eine richtige Herausforderung und manchmal sogar eine kleine Gratwanderung.

Wir stärken uns jetzt ein letztes Mal mit fettiger russischer Soljanka. Danach geht es dann los mit unserer Feldarbeit. Hoffen wir, dass wir unser Pensum heute schaffen.
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